Unglaublich: Sommerkinder sind häufiger kurzsichtig! Was für Sie völlig absurd und fernab jeglicher Realität klingt, ist tatsächlich wahr. Eine Israelische Studie beweist diese überraschende Tatsache. Für einmal hat es auch seine Vorteile im Winter geboren zu werden, auch wenn der Geschenksegen durch das Zusammentreffen mit allen möglichen Festtagen häufig etwas dürftiger ausfallen kann. Dafür haben die Wintergeborenen oftmals gesündere Augen und dies ist ja wohl ein viel grösseres Geschenk als ein üppiger, überfüllter Gabentisch. Eine grossangelegte Studie aus Israel beweist, dass das Risiko kurzsichtig zu werden statistisch signifikant höher ist, wenn man im Juni oder Juli das Licht der Welt erblickt. Israelische Augenärzte glauben, dass das zusätzliche, üppige Licht während diesen Sommermonaten verantwortlich gemacht werden muss für dieses Phänomen.

Überall auf der Welt ist die Kurzsichtigkeit stark im Vormarsch, ob in den Schulklassen in Asien, Afrika oder Europa Brillen- oder Kontaktlinsenträger gehören meistens zur Tagesordnung. An vielen Orten übersteigt die Anzahl an Sehgeschwächten gegenüber Besitzer von gesunden Augen die 90%-Marke und bildet somit die absolute Mehrheit.  Spekulationen über die Ursachen dieser Tendenz sind schon lange im Umlauf. Einige Forscher vermuten eine genetische Komponente, welche durch zusätzliche Umweltfaktoren wie zum Beispiel welchen Beruf man ausübt oder welchen Bildungsstand man besitzt, verstärkt wird. Eine langjährige Diskussion ist auch die Entstehung von Kurzsichtigketi durch Licht.

Die Myopie, oder eben Kurzsichtigkeit entsteht durch einen zu lang gebauten Augapfel im Verhältnis zur Gesamtbrechkraft. Die eintreffenden Lichtstrahlen werden von der Hornhaut und der Linse so gebrochen, dass der Brennpunkt vor der Netzhautebene liegt. Dies bewirkt einen optischen Abbildungsfehler und resultiert darin, dass weit entfernte Objekte schlechter gesehen werden als nahe gelegene. Betroffene Personen brauchen für die Fernsicht oft eine Brille, sehen hingegen bis ins Alter auf kurze Distanz kurz. Die Studie aus Israel beschäftigte sich mit der Entstehung der Kurzsichtigkeit über mehrere Jahre hinweg.

Israelische Ärzte untersuchten insgesamt 276’911 Jugendliche beider Geschlechter. Anlässlich des obligatorischen Militärdienstes wurde auch die Brechkraft der Augen genaustens untersucht. 29.9% der Untersuchten wurden als kurzsichtig klassifiziert. Durch den Vergleich der Geburtsmonate ergab sich das erstaunliche Resultat, dass mittlere und schwere Kurzsichtigkeiten bei jenen jungen Menschen am häufigsten vorkommen, die im Juni oder Juli geboren wurden. Die tiefsten Kurzsichtigkeitsraten fand man allerdings bei Winterkindern, die in den Monaten Dezember und Januar auf die Welt kamen.

Spezialisten führen dieses Phänomen auf die Rolle des Melanins zurück. Die Bildung von Melanin, welches den Tag-Nacht-Rhythmus bei Menschen und Tieren steuert, wird durch zusätzliches Tageslicht gehemmt. Bei Untersuchungen an Tieren fand man heraus, dass übermässige Lichtexposition das Längenwachstum des Augapfels fördern und sie dadurch kurzsichtig macht. Bis jetzt ist weiterhin unklar auf den das üppige Sommerlicht während den Monaten Juni und Juli primär wirkt, ob auf das Neugeborene direkt oder indirekt auf die Mutter des ungeborenen Kindes und deren Melaninsystem.

Durch die Erforschung der Ursachen der Myopie versucht man diesem ansteigenden Phänom auf die Spur zu kommen, welches oft auch ökonomisch  tragende Folgen für die Betroffenen hat. Eine Korrektur der Kurzsichtigkeit kostet die USA jährlich mehr als 5 Milliarden Dollar. Vor allem für sehr stark Kurzsichtige ist das Problem durch die Anpassung einer Brille noch lange nicht gelöst. Häufig sind sie gefährdet eine Netzhautablösung zu erleiden, die einen operativen Eingriff benötigt.

Lichtunabhängige Risiken, die bei der Studie zusätzlich zum Vorschein kamen, stellten zum einen das weibliche Geschlecht und zum andern der Bildungsstand dar. Jugendliche, die mehr als 12 Jahre lang die Schulbank gedrückt haben, hatten ein fast doppelt so grosses Risiko Kurzsichtigkeiten auszubilden. In dieser Hinsicht ist die Kurzsichtigkeit bei weitem nicht nur eine optische Belästigung, sie ist eine Krankheit, deren Ursachen unbedingt weiter erforscht werden müssen.